An den Grossen Rath

Ein majestätisch Haus, das wir bewohnen!
Wo zeigte je ein schöneres die Welt?
Der Himmel selbst hat es uns aufgestellt,
In Wunderpracht ein liebend Bildner.
Fest um das Haus als eisig Wappenschildner
Hat Gott die Riesenburgen hingewellt.
O glücklich, wenn das Schicksal uns erwählt,
Zu sein ein freies Volk, nicht Roma’s Söldner.
Doch weh! Das Haus, es hegt ein Ungeheuer:
In seinem Innern brennt der Zwietracht Feuer.
Ihr duldet, duldet, die das Feuer fachen?
Das Thor geöffnet all den schwarzen Schlangen.
Wenn erst das Haus in Flammen aufgegangen,
Dann ist’s zu spät–dasselbe zu bewachen.

[Donner, 1935]