Antistraussianischer Gruss

Ueberall die Liberalen allen wiederhallend knallend fallen,
Und die orthodoxen Ochsen, Schauer-Auer-Ochsen, grochzend bochsen,
Darum ist es, Herr Antistes, Antichristes wüsten Zwistes
Bald ein Ende: Und ich sende drum behende, ohn’ Umstände, in die Hände
Der geehrten, lieb-und-werthen längst bekehrten Schrift-Gelehrten
(Die nebst Eulen, und Postg-äulen und Froschk-eulen waren unsers Athens Säulen,)
   diese ungefeilten Eilenzeilen.
Kein Kreutz-otter Hottentotter Ott-eid-otter,
Kein bigotter talggesottner Cotta-stotternd lotter-bübisch schlotternd Spotter,
       Auch kein winselnd Insel-Pinsel,
              Sondern flotter
              Paulus Potter
Sollte schildern kühn in Bildern) das Verwildern
Unserer puren Winterthur-und Zürcher Buuren, die nach Uhren, nicht Obsc-uhren
   gingen, fuhren,
              Sich richteten,
              Sichteten
            Und wie die Unterrichteten,
              Nimmer beichteten:
Bis die Macht die hält in Pacht Zion’s Wacht auferwacht, gab nun Acht, und sah
   Küss- statt Mitter-nacht,
            Leuchten durch die Geister-schlacht.
       Ja, Antistes, Wahrheit ist es; Hinter-list es
       Leugnet nicht: manches Licht,
       Das der Bluntschli nicht gezogen,
Manche schwere Irrlichts-Lehre; und des Schicksals Donner-hagels-schwaben-
   lichtputz-scheere
       Hat sich auf dem Stuhl gewogen,
Frech und dreist, wo kein Geist, sondern feister Leib, und weiss der Guck-guck
   allermeist
       Die Nacht und Sie mit Ehren allein gehören:
       Denn per se, eine chaise percée
Ist der Stuhl, wo nicht Verkehrtheit, sondern göttliche Gelehrtheit, und ehrwürdige Elwertheit,
Sass nicht demokr-atisch, Attisch, sondern dogm- und Elephanten-akrob-atisch.
          Doch, Neumünster hat’s vollbracht. Genug getagt!
            Es werde finster! hat’s gesagt,
            Drum Hochschule, gute Nacht!)
Das unmündige, sündige, in Windeln (Religionsch-Windeln) befindige
          Volk sagt mit Populi-Dei-vox,
              Fiat Nox!
          Und am Berge steht der Ochs.
Nicht der Schweizer Alexander, auch ein Glaubens-salamander, noch Ferdinand der Stillste-Stander,)
          Nicht Gottes Hofnarr, Pfarrer Zeller,
            Nicht der fromme Mond-anbeller
          Dort in Peter, schreiend Zeter,
            Nicht die weisen östlichen Tagblätter-Läuse),
       Nicht die greise Schlangenspeise
          Hieb den Knoten stark entzwei,
          Sondern deine Sauer-Ei.
Ja, Antistes, Wahrheit ist es:
Darum wend’ ich diese Spende ohne Ende,
       Reich mit Lobes-Elementen
Der Kreuz-Spinne der Kreuz-Kirche, und dem Correspondenten,
          Nebst den andern Sacramenten.

       Blindes Simson-Volk! Den Stempel
       Drückt das Schicksal auf dein Leben;
       Warst gerufen in den Tempel
       Voll des Saft’s der geist’gen Reben
       Wie der riesig Juden-held;
       Deine Stärke sollst du zeigen.
       Zieh! die Säulen torkeln, weichen,
       Die Gesetzes-Tafel schwankt,
       Kracht das Dach, der Boden wankt,
       Wissenschaft und Freiheit fällt.
       Hier liegt Zürich! liest die Welt.

       Ja, du Volk, die Wahrheit ist es,
       Ja auf Ehre, Herr Antistes.

[Donner, 1935]