Die Schnecke und der Hirsch

Am Fusse eines Berges schlich
Einst eine Schneck’ mit ihrem Hause,
Und blickte manchmal hinter sich,
Und macht’ im Kriechen eine Pause.
Ei, sprach ein Hirsch, dich drückt dein Haus,
Und zwingt dich, statt zu geh’n, zu schleichen;
Sei doch vernünftig, komm’ heraus,
Sonst wirst du nie die Höh’ erreichen.
Nein, sagte jene, denn fürwahr
Du kannst es in der Chronik lesen,
Dass wir seit mehr als tausend Jahr
Stets in dem alten Haus gewesen.
Auch sag’ ich’s g’rad heraus, ich mag
Mich nicht beim Gehn so echauffiren,
Und ahme nur den Menschen nach;
Die nennen’s, glaub’ ich, ‘konserviren!’

[Donner, 1935]